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"Kollegen" von Kleinstparteienund Kandidaten ohne
Partei teilen das gleiche Schicksal - die Medien verschweigen sie meist.
Wenn überhaupt, dann werden sie als idealistische "Exoten"
dargestellt. Warum
ist das so? Findet eine bewusste "Verschwörung" statt oder sind die
Medien von etablierten Parteien abhängig?
Alexander, ein freier
Journalist aus Berlin, beschreibt an dem erdachten Beispiel "Maybrit
Illner/Direkte
Demokratie" den systembedingten Mechanismus, der hier greift. Seine
Sichtweise hat er überzeugend dargestellt:
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Soweit ich (mit allerdings
nur fünf Jahren Erfahrung als Journalist) es beurteilen kann, könnte
die Sache noch weitaus banaler sein. Als Reporter brauche ich von
Funktionären, Abgeordneten, Ministern, Verwaltungen und Experten (ich
nenne sie einmal „Quellen“) immer wieder Aussagen und/oder Bilder.
Wenn ich die meiner Zeitung oder meinem Sender nicht liefern kann,
bekomme ich als Freier keine Folgeaufträge, als Redaktionsmitglied
keine Sendezeit/keinen Platz für Beiträge.
Dorfbürgermeister, Bundestags-Hinterbänkler und junge Experten geben
meist gern Interviews, auch kurzfristig. Von Herrn Gabriel bekomme ich
nicht einmal eine Stellungnahme seiner Pressereferentin, auch nicht mit
wochenlangem Vorlauf. Jedenfalls nicht als Vertreter eines kleinen
Messe-Magazins zum Beispiel. Irgendwo zwischen der nicht-prominenten
Quelle (leicht durch eine andere ersetzbar) und Angela Merkel
(journalistisch gesehen nicht ersetzbar) gibt es ja nach Medium und
Reporterpersönlichkeit ein Gleichgewicht der Kräfte. Ab da kann die
Quelle ihre Forderungen eher durchsetzen als der Journalist.
Angenommen, Maybrit Illner will unbedingt „direkte Demokratie“ zum
Thema machen. Angenommen, sie fragt zweimal respektlos nach, wenn Merkel
über „bittere Weimarer Erfahrungen“ fabuliert. So etwas merkt sich
Merkel. Es könnte sein, daß sie bis 2012 keinen freien Termin mehr
hat, wenn Illner sie das nächste Mal in ihre Sendung einlädt. Es könnte
sein, daß andere CDU-Prominente aus der „ersten Reihe“ von nun an
auch keinen freien Termine mehr haben. Und daß viele Zuschauer ab da
eher andere Talkshows ansehen, solche, in denen ab und zu auch Frau
Merkel sitzt. Daß diese Zuschauer also weniger oft "Maybrit
Illner" sehen. Daß die Sendung wegen schlechter Zuschauerquoten
irgendwann einen anderen Moderator und einen anderen Namen bekommt.
Merkel spricht vielleicht auch bei Gelegenheit einmal lange und intensiv
mit Ronald Pofalla. Der spricht vielleicht mit anderen CDU-Leuten im
ZDF-Fernsehrat. So könnte es passieren, daß die Sendung sehr schnell
einen anderen Moderator bekommt. Und daß auch das Kanzlerduett, pardon,
Kanzlerduell 2009 zum letzten Mal von Illner mitmoderiert worden ist.
Das alles sind natürlich nur spekulative Überlegungen. Aber es kommt
weniger auf das an, was wirklich passiert, sondern auf das, was sich
Maybrit Illner vorstellen kann.
Ich kenne Maybrit Illner nicht – weder persönlich, noch weiß ich
viel über sie. Auch beim oder für das ZDF habe ich noch nie
gearbeitet. Dieses Beispiel habe ich nur gewählt, um zu illustrieren,
daß es durchaus handfestere Beweggründe für Journalisten gibt, als
„irgendwie auch zu den Schönen, Reichen und Mächtigen“ zu gehören.
Aber auch das mag seinen Reiz haben.
Gruß aus Berlin
Alexander
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